Oldenburgisches Staatstheater — Notizen zur Spielzeit 2026/2027
Das Oldenburgische Staatstheater hat seinen Spielplan für die kommende Saison vorgelegt. Wir gehen die zentralen Premieren durch, ordnen die programmatischen Akzente der neuen Intendanz und benennen drei Inszenierungen, die überregional Aufmerksamkeit verdienen.
Die Spielzeit 2026/2027 am Oldenburgischen Staatstheater steht im Zeichen eines kontrollierten Umbruchs. Intendantin Karoline Felsenstein-Bachmann, im Sommer 2025 angetreten, präsentiert ihren ersten vollständig selbst kuratierten Spielplan. Drei Spielstätten — Großes Haus, Kleines Haus, Exerzierhalle — werden mit zusammen 21 Premieren bespielt; das ist eine Premiere mehr als in der Vorsaison und reflektiert die strukturelle Stärkung der freien Spielstätte.
Programmatische Akzente
Felsenstein-Bachmann setzt sichtbar auf drei Linien. Erstens: Wiederentdeckungen aus dem skandinavischen und dänisch-norddeutschen Repertoire. Eröffnet wird die Sprechtheater-Saison mit Ludvig Holbergs „Ulysses von Ithacia” — einer Komödie, die seit den 1950er Jahren an deutschsprachigen Bühnen kaum gespielt wurde und am 26. September 2026 in einer Neuübersetzung von Tobias Strath Premiere hat. Regie führt Lena Garrelfs, die in den vergangenen Saisons mit Henrik-Ibsen-Inszenierungen am Schauspielhaus Hamburg auffiel.
Zweitens: zeitgenössische deutschsprachige Dramatik. Mit Maja Das Guptas neuem Stück „Zwei Wochen Kontinent” wird im November ein Auftragswerk uraufgeführt, das die Theaterleitung beim Heidelberger Stückemarkt 2024 bestellt hat. Das Guptas Texte arbeiten mit überlagerten Zeitebenen und einem Chor aus drei Generationen — ein Setting, das die Exerzierhalle gut tragen kann.
Drittens: Musiktheater jenseits des großen Repertoires. Statt der erwartbaren Verdi-Wiederholung steht im Frühjahr Brittens „The Turn of the Screw” (Henry-James-Adaption) auf dem Plan — ein Stück, das in Norddeutschland zuletzt 2014 am Theater Bremen zu sehen war. Generalmusikdirektor Vito Cremonesi leitet das Hausensemble; Regie führt Doris Wittenburg.
Drei Inszenierungen mit überregionalem Potenzial
„Ulysses von Ithacia” (Premiere 26.09.2026, Großes Haus). Holbergs Stück ist eine Parodie auf die barocke Heldentragödie — formal eine Satire, dramaturgisch ein Stück, das auf das Tempo der heutigen Theaterabende übersetzt werden muss. Garrelfs hat angekündigt, mit einer Bühnenfassung von gut zwei Stunden zu arbeiten; das ist mutig und im skandinavischen Theatergeschmack der Holberg-Renaissance gerade üblich. Eine Aufnahme im Programm der Theaterbiennale Wiesbaden 2027 ist nicht ausgeschlossen.
„Zwei Wochen Kontinent” (UA 14.11.2026, Exerzierhalle). Das Guptas Stück handelt von einer Bahnreise durch Europa, geschildert aus den Perspektiven dreier Reisender, die sich nie begegnen, aber denselben Zug nutzen. Die Konstruktion erinnert an Bohumil Hrabal; die Sprache ist eigen. Wenn die Uraufführung trägt, ist der Weg zur Mülheimer Theatertage-Einladung 2027 plausibel.
„The Turn of the Screw” (Premiere 12.03.2027, Kleines Haus). Henry James’ Geisternovelle, Brittens Vertonung, eine kleine Besetzung — das Stück ist gemacht für ein mittelgroßes Haus. Wittenburg hat in einem Vorgespräch angedeutet, mit einer Doppelbesetzung der Gouvernanten-Rolle zu arbeiten, eine Spielfassung gleichzeitig psychologisch und gespenstisch. Wenn der Kunstgriff trägt, ein Anwärter für die GMD-Preise des Saisonjahrs.
Was wir verfolgen
Das Heft wird zur Spielzeiteröffnung im September die erste Premiere besprechen und im Verlauf der Saison vier bis fünf weitere Oldenburger Abende kommentieren. Spielplan und Vorverkauf laufen seit Anfang Mai; der Sonderpreis für Studierende wurde auf 9 Euro pro Aufführung gesenkt — eine programmatische Entscheidung, die in der überregionalen Theaterpresse zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.